Mehr Projektinfos: Hafen.City.Horizonte.

Hafen.City.Horizonte.: Making Of

Der Raum, in den die neue Ausstellung einziehen sollte, hat einen starken Charakter. Er öffnet sich auf voller Breite zum Lola-Rogge-Platz, ist ziemlich schmal, dafür aber langgestreckt. Seine dreigeschossige Höhe zieht den Blick unwillkürlich nach oben.

Diese atemberaubende Raumhöhe hat uns lange beschäftigt. Einerseits war es naheliegend, die Funktionsräume wie WCs, Garderobe und Lager übereinander zu stapeln, damit in der Erdgeschossebene möglichst viel freier Raum übrigbleibt (Variante zweigeschossig). Andererseits sahen wir in unseren Skizzen, dass auch bei einer zweigeschossigen Nutzung mit eingestelltem Nebenraumkubus die Ausstellung auf der unteren Ebene im Verhältnis zum Raumvolumen zwergartig wirken würde, zumal der Raum im oberen Drittel durch einen Einbau verengt wird und damit zwei unterschiedliche Raumhöhen vorhanden waren.

Deshalb haben wir die Spindeltreppe aus der zweigeschossigen Variante verlängert und auch die dritte Ebene erschlossen. Hier eröffnet eine schmale Gangway eine neue Perspektive auf die Ausstellung und führt zu einem luftigen Arbeits- und Besprechungsbereich.

Damit hatte der Raum in unseren Augen die 'richtigen' Proportionen, und nur eines fehlte uns noch: ein Etwas, das der Betondecke die Schwere nimmt und sie gefühlt nach oben öffnet.

Das magische Element

Dieses Etwas hielt zunächst unter dem Namen 'Magisches Element' Einzug in unsere Planung. Es sollte luftig und ätherisch sein und sehr wandelbar im Zusammenspiel mit der Beleuchtung. Beim Nähen der ersten Prototypen erkundeten wir, wie Stoff, mit Draht vernäht, eine Eigendynamik entwickelt.

Erwünscht war, dass sich durch die Spannung zwischen Stoff und Draht das Element beim Nähen zu einer fließenden, stromlinienartigen Form verdreht. Mit unzähligen Prototypen näherten wir uns immer mehr an die endgültige Form an. Unsere wichtigste Erkenntnis: Der Draht beeinflusst die Formbildung so stark, dass die Wahl des Drahts letztendlich zwischen 'perfekter Form' und 'absolut unbrauchbar' entscheidet.

Sobald wir unsere Prototypen im Griff hatten, haben wir uns auf die Suche nach einer mutigen Näherei gemacht, die 800 dieser Elemente nähen würde. In Hamburg-Bergedorf sind wir fündig geworden. Die IndustrienäherInnen haben mit ihrer wesentlich professionelleren Nähtechnik die Elemente genau wie von uns gewünscht hergestellt, und das in erstaunlich kurzer Zeit. Damit konnte das nächste große Abenteuer starten: die Montage.

Es gibt zwei Typen von Flow-Elementen, ein kleines und ein großes. Beide Typen hängen an je drei superfeinen Seilen, die mit Blechhaken in die Montageebene unterhalb der Decke eingehängt wurden. Damit die Stoffelemente in ihrer Gesamtheit eine Wolke ergeben, sind die Seile unterschiedlich lang; die exakten Längen waren im Ausführungsplan festgelegt.

Für unser hochmotiviertes Montageteam bestand die Herausforderung vor allem darin, dass sich die Abhängungen beim Aufhängen nicht ineinander verheddern durften – deshalb wurden die Elemente mit Abhängungen sorgfältig einzeln bereitgelegt und eins nach dem anderen montiert. Nach sieben Tagen hatten alle Flow-Elemente ihren Platz gefunden!

Vom Hafen in die HafenCity

Der Bau des kleinen Nebenraum-Turms gab uns die Gelegenheit, ein Stück Hafen für die Ausstellung zu recyceln und damit daran zu erinnern, dass die HafenCity selbst eine Weiterverwertung historischen Hafengeländes ist.

In Wilhelmsburg haben wir einen Containerservice gefunden und zusammen mit unseren BauherrInnen einen Termin zum Container-Shopping vereinbart. Schnell war unser Wunschcontainer gefunden und zur Besichtigung auf den Boden gebracht.

Für den Transport zerlegt, trat der Container seine kurze Reise ins Infocenter an, wo seine Seitenwände dann als Wandbekleidung auf die Holzkonstruktion montiert wurden, so dass aus dem langen 40-Fuß-Container ein kompakter Kubus wurde.